Ärztepräsident: Rösler beendet sozialistisch anmutende Poltik
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe ruft die Mediziner zu mehr Kostenbewusstsein auf. Das gelte auch für das Verschreiben von Medikamenten. «Manch einem Patienten wäre mit einer physiotherapeutischen Behandlung mehr geholfen als mit einer permanenten Tablettenzufuhr.» Es sei wichtig, sich auf das Notwendige zu konzentrieren, um alles noch Notwendige gewähren zu können, so der Präsident der Bundesärztekammer.
Zum Start von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sagte Hoppe: «Die fast sozialistisch anmutende Gesundheitspolitik in den vergangenen 18 Jahren ist beendet.» Rösler steuere wieder in ein freiheitliches Gesundheitssystem. Dieser umfassende Richtungswechsel gehe natürlich nicht von heute auf morgen. «Aber jeder Schritt in diese Richtung ist ein wichtiger Schritt nach vorn», sagte der Ärztepräsident. Für Hoppe wäre das System einer vom Einkommen unabhängigen Pauschale gerechter als das bestehende Modell. Über die Steuern würden die Lasten besser verteilt. Er habe aber Zweifel, dass bei der sogenannten Gesundheitsprämie die Steuer dauerhaft den gewünschten Sozialausgleich leisten könne.
Der Ärztepräsident rief den Gesundheitsminister auf, nicht nur über Finanzierungsfragen zu reden, sondern über den ganzen Leistungsblock. Angesichts einer älter werdenden Bevölkerung sei «nicht mehr alles bezahlbar, was wir im Medizinsystem leisten können». Die Diskussion über Rationierung müsse endlich stattfinden. «Das Problem wird doch nach wie vor unter den Teppich gekehrt. Da erhoffe ich mir vom neu aufgestellten Ministerium, dass es dieses Blinde-Kuh-Spiel beendet und die Fragen öffentlich diskutiert.»
Hoppe forderte außerdem, die Bevölkerung besser über die tatsächlichen Kosten des Gesundheitswesens aufzuklären. So ließe sich das Kostenbewusstsein in der Bevölkerung schärfen. In Deutschland gebe es das Gefühl, dass Gesundheitsleistungen für Beitragszahler im Wesentlichen kostenlos zu bekommen seien. Hoppe: «Beitragserhöhungen werden nicht gewünscht, Leistungsverminderungen auch nicht.» Der Ärztepräsident geht davon aus, dass angesichts des Mediziner-Mangels in ländlichen Regionen Hausärzte künftig nicht mehr alleine Patienten betreuen werden. Vermutlich werde die Entwicklung dahin gehen, dass Mediziner die Betreuung mit anderen Berufen gemeinsam übernähmen - mit Pflegern und Sozialarbeitern, Psychotherapeuten und Geistlichen.
Quelle: dpa



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